Eine Papiertüte, aus der Obst und Gemüse fallen

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Alles bio oder was? Ernährung in der Familie

von Yvonne Antoni – 20.07.2022

Wenn’s um das Thema Essen geht, kann jede Familie eine Geschichte erzählen. Alle Kinder haben eigene Vorlieben, und Eltern gehen ganz unterschiedlich damit um. Und täglich muss etwas – möglichst Gesundes – in die Pausenbox und auf den Mittags- oder Abendbrot-Tisch.

In meinem Bekanntenkreis ist das ganze Spektrum zu finden: Da ist der Neunjährige, der seit Jahren nur „Nudeln ohne Soße“ und Obst isst, da ist meine Tochter, die ich mit einem Käsebrot mit Gurken glücklich machen kann. Oder ihre Freundin, deren Lieblingsgericht Sushi ist.

Bei der Ernährung unserer Kinder möchten wir alles richtig machen. Aber wie genau sieht das aus? Muss alles bio sein, oder ist der regionale Einkauf nicht auch eine Alternative?

Was bedeutet eigentlich bio?
Anders als bei Kosmetik, Kleidung und Drogerie-Artikeln ist bei Lebensmitteln das Label klar definiert. Bedeutet: Wenn bei einem Lebensmittel „bio“ drauf steht, ist auch „bio“ drin. Denn um das Siegel zu bekommen, werden die Bio-Erzeugnisse von einer Kontrollstelle geprüft und zertifiziert. Dies erfolgt nach strengen EU-Richtlinien für den ökologischen Landbau. Diese schreiben zum Beispiel vor, welche Dünge-, Futter- und Pflanzenschutzmittel zugelassen sind und wieviel Platz die Tiere im Stall und auf der Weide bekommen müssen.

Bei Bio-Lebensmitteln kann man also sicher sein, dass sie nach ökologischen Kriterien hergestellt wurden. Denn „bio“, „biologisch“ sowie „öko“ und „ökologisch“ sind geschützte Label.

Manche Lebensmittelhersteller bezeichnen ihre Ware jedoch als „aus natürlicher Herstellung“ oder „aus kontrolliertem Anbau“. Dabei handelt es sich nicht um Bio-Ware.

Wie gesund ist bio?
Bio-Lebensmittel haben längst ihr Öko-Image verloren und stehen nicht nur bei Familien hoch im Kurs. Mittlerweile hat jeder Discounter ein eigenes Bio-Sortiment.

Aber wie gesund ist das eigentlich? Es gibt einige Punkte, die dafür sprechen, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind als konventionelle Produkte. So sind sie deutlich weniger mit Schadstoffen belastet und sie schmecken aufgrund des geringeren Wassergehalts meist intensiver.

Pestizide findet man so gut wie keine in Bio-Lebensmitteln: 2020 wurden 343 Öko-Produkte von den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern Baden-Württembergs (CVUAs) getestet. 97 % davon waren komplett unbelastet.* Das Bio-Fleisch von Hühnern und Schweinen ist zudem weniger mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet.

Aber: Tests von Stiftung Warentest oder Ökotest zeigen, dass auch Bio-Lebensmittel wie Tee, Nudeln oder Öl belastende Stoffe wie zum Beispiel Schimmelpilze enthalten können, die bei der Lagerung entstehen.

Warum Bio-Produkte kaufen?
Aufgrund der gestiegenen Kosten schaut im Moment fast jede Familie, wo sie sparen kann. Und ja, bio ist teurer als konventionell. Dies liegt an verschiedenen Faktoren wie der aufwändigeren Tierhaltung, den geringeren Produktionsmengen und den hohen Kosten der häufigen EU-Kontrollen. Außerdem haben viele Bio-Unternehmen den Anspruch, den Produzenten gerechte Löhne und den Zulieferern faire Preise zu zahlen.

Bio-Fleisch ist teurer, da besonders hohe Anforderungen an die Haltung der Tiere gestellt werden. Sie haben mehr Platz im Stall und meist auch einen Auslauf im Freien. Auch erhalten sie wertvolleres Tierfutter. Beim Kauf von Bio-Fleisch trägt man zu einer artgerechten Haltung bei.

Bio-Lebensmittel sind auch gut für unser Klima, denn bei der Herstellung werden weniger schädliche Treibhausgase ausgestoßen, da beim Anbau auf den Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger verzichtet wird. Bio hin oder her, die beste Klima-Bilanz ist aber nichts wert, wenn wir zu jeder Jahreszeit alle Obst- und Gemüsesorten auf dem Teller haben möchten. Denn diese werden meist mit dem Flugzeug transportiert. Und was das für die CO2-Abdruck bedeutet, muss nicht näher erklärt werden… Deshalb besser saisonal und regional kaufen.

„Nur bio ist gesund.“ Diese Aussage stimmt so natürlich auch nicht. Denn wenn man sich nicht ausgewogen ernährt, nutzen auch Bio-Lebensmittel nicht viel.

Bio und Babynahrung
Viele Frauen fragen sich, ob sie sich während Schwangerschaft und Stillzeit ausschließlich mit Bio-Produkten ernähren sollen. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, gesund und ausgewogen zu essen. In Bio-Lebensmitteln sind nicht mehr Vitamine und Nährstoffe als in konventionellen. Der Pluspunkt von bio ist, dass diese Lebensmittel so gut wie frei von von schädlichen Substanzen wie Pestiziden und Antibiotika sind.

Was die Babynahrung angeht, gibt es eine gute Nachricht: Nach der EU-Verordnung für Säuglingsanfangs- und Folgenahrung von 2016 muss Babynahrung nahezu frei von Pestiziden und Nitrat sein. Die meisten Babybrei-Produzenten stellen deshalb ihre Lebensmittel komplett in Bio-Qualität her.
Ein Vorteil von Bio-Waren bei der Ernährung von Kindern ist zudem, dass sie weniger künstliche Aromen, Zucker sowie Zusatz- und Farbstoffe als konventionelle Ware enthalten.

Bei uns kommt regional, bio und saisonal auf den Tisch
Für viele Familien ist ein Mittelweg eine Option: Bio und regionale Produkte bekommen den Vorzug vor Produkten aus konventioneller Herstellung. Jedoch: Aufgrund des aktuellen Preisanstiegs muss fast jede Familie auf die Haushaltskosten achten und kann sich nicht immer Bio-Produkte leisten. Die wenigsten möchten jedoch beim gesunden Essen sparen. Für sie gibt es ein breites Angebot an Bio- und regionalen Produkten, das vom Discounter bis zum Bauernhof-Direktverkauf reicht.

In den letzten Jahren gab es eine Trendwende in Richtung „kauf lokal“. Denn regionale Produkte punkten mit so einigen Vorteilen:
• Die Produkte kommen ganz frisch in den Supermarkt
• Durch die kurzen Transportwege wird die Umwelt weniger belastet
• Die heimische (Land-)Wirtschaft wird gestärkt
• Regionale Spezialitäten bleiben erhalten
(z.B. „Grie Soß“)
• Transparenz: Der Käufer weiß, wo das Produkt herkommt

Ein weiterer Trend ist der Eigenanbau. Immer mehr Familien bauen Obst und Gemüse selbst an. Dafür braucht man nicht unbedingt einen großen Garten. Ein Balkon reicht schon, um sich mit Kräutern und auch Gemüse selbst zu versorgen. Und die Kinder können beim Säen und Ernten mithelfen und sehen so, wo ihr Essen herkommt.

Auch die Hühnerhaltung im eigenen Garten wird immer beliebter. Das gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt. So bietet die Baugesellschaft der Stadt Hanau Mietern die Möglichkeit, im kleinen Rahmen Hühner zu halten. Bei Interesse der Mieter wird auf dem Freigelände der Wohnanlage ein geschütztes Gatter samt Hühnerhaus errichtet, in dem dann drei bis vier Hühner leben. Da wird nicht nur der Bio-Müll reduziert, man weiß ganz genau, wo das Ei herkommt, und die Kinder können hautnah erleben, wie Lebensmittel erstehen, und was man dafür tun muss.

* Quelle: www.futura-sciences.com/de/ernaehrung-ist-bio-gesund-das-sagt-die-wissenschaft_7769/

Quellen und Infos:
www.bmel.de, www.bvl.bund.de, www.elternwissen.com, www.gesundheit.de, www.oekolandbau.de, www.oekotest.de, www.utopia.de

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