Man sieht ein Kind das krabbelt

© istock.com/AntonioGuillem

Wie wichtig Krabbeln ist

22.05.2024

Warum ist Krabbeln so wichtig?

Das Gehirn des Neugeborenen ist noch völlig unreif. Es sind zwar alle Nervenzellen angelegt, doch können diese erst Funktionen übernehmen, wenn sie sich untereinander verbinden – durch sogenannte Dendriten und Synapsen. Der rechten und linken Gehirnhälfte werden unterschiedliche Funktionen zugeteilt. Für eine gute Koordination ist es notwendig, dass sich beide Gehirnhälften miteinander verbinden. Diese Koordination wird durch das Krabbeln geschult wie nie mehr danach in unserem Leben. Eine gute Koordination ist in all unseren Lebensphasen und Lebensbereichen notwendig. Der Volksmund drückt es so aus: „Meine rechte Hand sollte immer wissen, was meine linke Hand tut“.

Krabbeln kann deshalb auch als die „intelligenteste Form“ der Fortbewegung beschrieben werden.

Es kann davon ausgegangen werden, dass Kinder, die das Krabbeln entwickeln konnten, deutliche Vorteile in der Schule haben. Sie lernen leichter, ihre Auffassungsgabe, Merkfähigkeit, Konzentration und Belastbarkeit ist größer. Kinder, die das Krabbeln nicht erleben, sind diesbezüglich benachteiligt.

Warum krabbeln nicht alle Kinder?

Wie alle Entwicklungsschritte ist auch das Krabbeln im Gehirn angelegt, wird aber durch die Aktivität noch vorhandener störender Frühkindlicher Reflexe blockiert. Frühkindliche Reflexe sind in der Schwangerschaft notwendig, damit das Ungeborene reflexhaft auf ruckartige Bewegungen der Mutter (im Extremfall beim Stolpern) reagieren kann, um seinen empfindlichen Nackenbereich (den sogenannten Atlas) stabilisieren zu können. Nach Geburt sollten sie frühestmöglich zur Ruhe kommen, da ihre Bewegungsmuster unter anderem das Krabbeln erschweren oder behindern:

Deutlich zu sehen ist, wie das Bewegungsmuster des Symmetrisch Tonische Nackenreflex (STNR) mit Beugung der Arme und Streckung der Beine die Krabbelposition verhindert: Für die „Startposition“ des Krabbelns muss der Säugling seine Arme strecken und seine Beine beugen = gegenteiliges Muster des STNR.

Beurteilung der Aussage: „Das Kind wird auch ohne krabbeln groß“

Bitte bedenken Sie: Ja, selbstverständlich werden auch diese Kinder groß. Niemand bleibt ein Säugling, wenn er nicht krabbelt. Aber dem Kind fehlt ein wichtiger Entwicklungsschritt, der oftmals – wenn nicht bereits im Vorfeld – mit dem Eintritt in die Schule offensichtlich wird. Das ist schade und bräuchte auch nicht zu sein.

Kann man das Krabbeln dem Säugling ermöglichen?

Ja. Eltern können lernen, ihr Baby im Alltag so zu tragen, hinzulegen, aufzunehmen, an den Partner zu übergeben und beim Stillen zu halten, dass die störenden Frühkindlichen Reflexe dabei zur Ruhe kommen. Des Weiteren lernen sie, ihr Baby auf ihren Schoß in die Bauchlage zu legen und diagonal zu halten. Die Bauchlage ist die Startposition für alle Entwicklungsschritte. In den Seminaren für Hebammen wird vermittelt, die Eltern bereits nach der Geburt entsprechend in der Primaristic anfänglich anzuleiten. Weitere Primaristische Lagen auf dem Schoß – in denen die Frühkindlichen Reflexe zur Ruhe kommen – erlernen die Eltern durch Physiotherapeuten.

Früh vermittelt, kann die Primaristic als erweiterte Fürsorge für das Baby betrachtet werden, um unter anderem das Krabbeln frühzeitig zu bahnen. Bei Auffälligkeiten und Störungen in der Entwicklung können die Eltern ebenfalls die Primaristic für und mit ihrem Baby erlernen, um diesen Störungen entgegenzuwirken.

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Gisela Teichert

Autorin:
Gisela Teichert ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin (eingeschränkt für Physiotherapie) und Mutter von drei erwachsenen Kindern.
www.neurophysio-teichert.de

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