Kinder auf Spielplatz

Foto: © www.ffs-hohenahr.de

Architektur als dritter Erzieher

24.11.2016

Fragt man Erwachsene, an welchen Stellen ihre beliebtesten Spielorte waren, nennen nahezu alle die Natur: den Wald, den Bach, verwunschene Gräben, Streifräume voller Abenteuer, Hinterhöfe und deren Geheimnisse oder die Straßenspiele, wo es immer gleichgesinnte Spielpartner gab. Dabei beginnen die Augen zu strahlen und man schwärmt von dem, was verboten war und man es doch immer wieder neu ausprobiert hat.

Heute lassen Eltern, die Kindergeneration von damals, solche bedeutsamen Erfahrungen bei ihren eigenen Kindern kaum noch zu, sofern es solche Räume überhaupt noch zum Entdecken gibt. Man sorgt sich um das Kind. Es könnte ja fallen, sich wehtun, verletzen, sich schmutzig machen, krank werden. Dabei geht es den Erwachsenen um das Wohl ihrer Kinder. Oft ist es nur noch ein einzelnes Kind in der Familie, bei dem man auf keinen Fall irgendetwas versäumen will. Konkret, man verplant als Erwachsener eine vermeintlich »sichere« Kinderzeit. Es wird kaum erkannt, dass kindliche Entwicklung Selbsterfahrung braucht. Zugegeben, nicht alle Eltern behüten ihre Kinder so sehr, dass diese kaum noch atmen können. Doch es sind zu viele, die ihre eigenen positiv geprägten Kindheitserlebnisse vergessen haben.

Um zu verstehen, warum das damals alles so anregend, spannend und toll war und wir Erwachsene es im Gegenzug heute unseren Kindern nicht mehr erlauben, bedarf es erst einmal einer Analyse, wo Kinder heute inzwischen mehrheitlich aufwachsen. Es sind urbane Räume mit der Dominanz von Verkehr, abgegrenzte, eingezäunte Bereiche mit Verbotshinweisen, Aufenthaltsinseln wie Kinderspielplätze zum reglementierten Spielen, die zuvor nach DIN-Bestimmungen und Verkehrssicherungspflicht geplant und gebaut wurden. Dazu kommen Bänke für Erwachsene, damit ständig Sichtkontakt zu den Kindern und deren Tätigkeiten besteht.

Von erlebbarer Natur mit ihrer Vielfalt an Sinnesreizen und der Förderung von Neugierverhalten keine Spur. Die Möblierung erfolgt durch bunte, industriell gefertigte Spielgeräte. Diese wurden von Erwachsenen erdacht und sind in der Regel nur für einen ganz bestimmten Zweck und Altersstufe geeignet. Sie regen wohl zur Bewegung an, lassen jedoch keine kreativen Veränderungen und ganzheitliche Sinneserfahrungen zu.

Fazit: Kindheit heute findet draußen in starr geplanten, naturarmen Räumen statt. Es sind Ersatzräume, die kindliche Entwicklung einengen. Ein Grund, weshalb wir inzwischen eine extreme Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten registrieren müssen. Kindern fehlen heute Spielräume, die zum Verändern, Entdecken, Begreifen einladen. Die rufen! Um dort auch Abenteuer eingehen zu können, die nicht unter ständiger Beobachtung Erwachsener liegen. Solche Gestaltungen sind trotz Einhaltung aller Normen möglich!

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Roland Seeger

Autor:
Roland Seeger ist Leiter der Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung in Hohenahr
https://www.ffs-hohenahr.de/

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