Dreirad und Bobbycar

Foto: © pixabay.com

Sich ausprobieren, aber doch sicher sein

28.05.2021

Unsere Tochter robbt sich langsam durchs Zimmer. Zielstrebig auf die Heizung zu. Im Pfarrhaus gibt es noch ganz alte und scharfkantige Heizungen. Wer sich daran stößt, tut sich gehörig weh.

Ich erinnere unsere Tochter daran und bleibe hinter ihr. Sie robbt weiter und legt sich kurz vor der Heizung auf den Bauch. Die kleinen Hände strecken sich nach der Heizung aus. Sie fasst sie an, dreht sich um 180 Grad und robbt weiter. Weg von der Heizung.

Mit hohem Tempo rast unser Sohn den kleinen Abhang auf dem Bobbycar herunter. Voller Begeisterung schreit er. Das macht Spaß! Ich laufe nebenher und bin für den Notfall da. Unten angekommen kommt er sicher zum Stehen.

Ein paar Jahre später fahre ich auf dem Fahrrad hinter ihm her. Er liebt sein Fahrrad. Von hinten rufe ich: „Pass auf. Guck nach vorne.“ Dann passiert’s. Die spielenden Kinder auf der Wiese sind interessanter als der Bürgersteig, auf dem er fährt. Er kommt ins Schlingern und kann sich nicht mehr halten. Das Knie und die Handflächen bluten. Zum Glück haben wir Pflaster dabei. Ich nehme ihn in den Arm und tröste ihn, kann mir aber auch nicht verkneifen zu sagen: „Wichtig ist, dass du nach vorne schaust und dich konzentrierst.“

„Papa, darf ich alleine zu meiner Freundin gehen?“ Puh. Vor kurzem robbte sie doch noch auf allen Vieren. „Na gut, aber pass schön auf. Geh an der Ampel über die Straße!“ Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch, weiß aber auch, wie wichtig es ist, sie diesen Weg alleine ausprobieren zu lassen. Ich lasse sie gehen. In großem Abstand gehe ich hinterher und schaue, dass sie gut über die große Straße kommt. Die WhatsApp-Nachricht geht ein paar Minuten später bei mir ein: „Eure Tochter ist gut angekommen.“

In den letzten Monaten – durch Corona nochmals intensiviert – ist das Internet für unseren Sohn in der sechsten Klasse zum wichtigen Player geworden. „Ich schaue mir mit dir dann ab und zu mal zusammen an, was du da so machst.“, sage ich ihm und weiß um die Chancen und Gefahren dieses Mediums.

Sich ausprobieren. Neue Erfahrungen machen. Das ist so wichtig für uns Menschen. So hat es Gott gewollt. Das gehört mit zum Leben dazu. Nicht eingeengt werden, aber doch sicher sein können, dass mich da jemand begleitet auf meinem Weg. Einer der Psalmbeter bedankt sich dafür bei Gott: „Du hast mir weiten Raum gegeben, wo ich mich frei bewegen kann. Zeig mir den Weg und führe mich!“

Ich wünsche euch und Ihnen allen viele wertvolle Erfahrungen auf dem gemeinsamen Weg durchs Leben. Bleibt dabei behütet und gesegnet!

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Alexander Klein

Autor:
Alexander Klein, evangelischer Stadt­jugendpfarrer Gießen
www.stadtjugendpfarramt-giessen.ekhn.de

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