Eine Frau, mit Kleinkind auf dem Arm, sitzt am Schreibtisch und arbeitet am Laptop

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Der Alltag als Getrennterziehende

31.05.2022

Der GRASHÜPFER hat mit Destiny* über ihren Alltag gesprochen. Sie hat einen dreijährigen Sohn und ist seit zwei Jahren getrennt erziehend.

Wie kam es dazu, dass du alleinerziehend bist?
Ich habe den Vater meines Kindes erst kurze Zeit gekannt, als ich schwanger wurde. Ich möchte gleich vorab erwähnen, dass er der beste Vater für mein Kind ist. Das war mir schnell klar, deshalb haben wir uns auch dafür entschieden. Trotz allem habe ich bereits in der Schwangerschaft bemerkt, dass er vermutlich nicht der richtige Lebenspartner für mich ist, unabhängig von seinen tollen Qualitäten als damals angehender Vater.

Als ich schwanger war, habe ich allein gelebt und wir haben uns aufgrund einer örtlichen Distanz nur an den Wochenenden gesehen. Der Vater meines Sohnes ist sieben Jahre jünger als ich. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich mir bereits ein völlig unabhängiges Leben aufgebaut und er kam aus Italien nach Deutschland. Seine persönlichen beruflichen Umstände haben die allgemeine Situation zwischen uns oft erschwert. Also war mir schnell klar, ich werde meine ganze Energie auf mich und mein Kind legen müssen.

Wie seid ihr zu dem Entschluss gekommen, euer Kind gemeinsam, aber getrennt aufzuziehen?
Er hat mich während der Schwangerschaft begleitet und hat sich auch sehr auf unser gemeinsames Kind gefreut. Selbstverständlich war er auch bei der Geburt dabei.

Wir haben uns dann dazu entschlossen unser Kind gemeinsam groß zu ziehen. Das hat im ersten Lebensjahr meines Sohnes mit einigen Kompromissen meinerseits auch gut funktioniert. Im Laufe des ersten Lebensjahrs meines Sohnes und als frisch gebackene Mutter spielen die Hormone oft verrückt und ich war mir auf einmal nicht mehr sicher, ob es das Richtige für mich ist. Ich hatte schon immer die Einstellung, mein Kind lieber allein zu erziehen, als meine Unzufriedenheit in der Beziehung auf meinen Partner oder Kind zu projizieren. Darunter würde nur das Kind leiden.

Also habe ich mir lange überlegt, was das Beste für mein Kind und mich ist und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mein Kind allein erziehen möchte. Warum? Weil ich der Meinung bin, wenn es Unstimmigkeiten in der Beziehung gibt, leidet das Kind meistens darunter, und das wollte ich auf gar keinen Fall.

Nach welchen Vorstellungen erziehst du dein Kind?
Da ich schon immer und speziell für andere Menschen eine zu unabhängige Denkweise hatte, war mir klar, ich kann mein Kind nur zu dem besten Menschen und gemäß meinen Vorstellungen erziehen, wenn ich mein Kind frei von Konventionen erziehen kann.
Darunter verstehe ich, dass ein Kind natürlich eine Vater- und Mutter-Rolle benötigt, keine Frage. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sehr viele Paare immer noch glauben, sie müssten in einer Beziehung oder Ehe bleiben, um die Kinder glücklich zu machen. Das ist meiner Meinung nach ein absoluter Irrglaube. Kinder spüren alles und vor allen Dingen spüren sie, wenn zwischen Mama und Papa dicke Luft herrscht.

Da der Vater meines Kindes ein sehr intelligenter und liebenswerter Vater und Mensch ist, gelingt es uns wahnsinnig gut, unser Kind gemeinsam und doch getrennt voneinander zu erziehen. Ich habe emotional für klare Verhältnisse gesorgt und aufgrund seiner Wesensart konnte er das akzeptieren. Schlussendlich bedarf es zwei Erwachsene und nicht vom Ego getriebene Menschen, eine reine und offene Vater-Mutter Rolle, zum Wohle des Kindes einzunehmen.

Wie schwer ist es für dich Familie und Job unter einen Hut zu bringen?
Meine Arbeit bei einem kleinen Verlag ist eine tolle Sache und schränkt mich nicht in meiner Flexibilität ein. Außerdem gehe ich einmal wöchentlich einer Reinigungsstelle nach. Wenn ich Buchungen als Entspannungstrainerin bekomme, lege ich diese auch auf den Vormittag oder auf Freitag abends. Ich arbeite, wenn der Kleine in der Kita ist. Da ich in meinem Eigentum wohne, habe ich zum Glück keine Mietkosten und kann mit wenig Geld auskommen. Das reicht uns, um ein zufriedenes Leben zu führen.

Wie reagiert dein Umfeld? Bekommst du Unterstützung von Freunden oder der Familie?
Mein Umfeld reagiert gut und ist oft darüber verwundert, wie gut es funktioniert. Oftmals kommen Aussagen wie: Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde. Der Vater meines Sohnes ist meine Hauptunterstützung. Er hat den Kleinen alle 14 Tage von Freitagabend bis Sonntagabend. Wenn ich an Wochentagen wichtige To Do´s habe, ist der Vater meines Kindes da, um mich zu unterstützen. Selbstverständlich kann ich meinen Kleinen auch mal bei meinen Eltern abgeben, wobei das eher die Ausnahme ist.

Wie hast du die Kinderbetreuung geregelt?
Mein Sohn geht von 8/8.30 Uhr bis ungefähr 14.45 Uhr in den Kindergarten. Das ermöglicht mir, mich um Dinge wie Homeoffice, Reinigung, Haushalt, Einkauf usw. zu kümmern.

Hast du auch manchmal die Möglichkeit, etwas für dich zu tun?
Ja, absolut und das empfehle ich jedem Elternteil, der oder die alleinerziehend ist. Man ist für das Kind 24/7 Ansprechpartner, und da kommt man oft selbst viel zu kurz. Deshalb ist es so wichtig, dass man sich immer mal wieder eine Auszeit gönnt, um seine Batterien wieder aufzuladen. Wenn es die Umstände zulassen, verreise ich oft allein oder mit einer Freundin über das Wochenende. Das ist Balsam für die Seele.

Wie geht es deinem Sohn in dieser Situation? Versteht er das schon?
Da unser Sohn es nicht anders kennt, gehe ich davon aus, dass es für ihn okay ist. Er freut sich, wenn er bei Papa ist und freut sich, wenn er wieder zu Mama zurückkommt. Er kann es offenbar sehr gut verstehen. Unser Sohn ist sein sehr ausgeglichenes und glückliches Kind und ich setze voraus, dass dies auch daran liegt, dass er sieht, wie harmonisch ich als Mutter mit seinem Papa umgehe und umgekehrt. Wir ziehen immer an einem Strang und das spürt unser Sohn.

Welche Sorgen oder Zukunftsängste hast du?
Ich habe keine Zukunftsängste, also nicht in Bezug auf meinen Sohn. Wir leben schon seit einigen Jahren minimalistisch, und ich habe mir meine persönlichen Umstände so erschaffen, dass wir keine finanziellen Belastungen haben und jederzeit und oftmals spontan das tun können, wonach uns ist.

Welche Hilfen wünschst du dir im Alltag?
Natürlich wäre es auch mal schön, morgens liegen bleiben zu können, wenn es einen Partner an meiner, beziehungsweise unserer Seite gäbe, der das für mich übernehmen würde. Da ich seit Beginn diese Rolle habe und lebe, sehe ich es auch nicht als Belastung oder erschwerend an, schließlich habe ich mich bewusst dafür entschieden

Gibt es Tipps, die du anderen Alleinerziehenden gerne mit auf den Weg geben möchtest? Tipps und Ratschläge?
Immer wieder Ruhepausen und Auszeiten gönnen und wenn man merkt alles wird zu viel, lieber das Kind mal für ein bis zwei Stunden abgeben. Außerdem darf der Haushalt auch mal Haushalt bleiben, wenn man merkt, man fühlt sich ausgelaugt und erschöpft. Unsere Kinder sind erst glücklich, wenn die Mamas und Papas es auch sind.

*Name aus Datenschutzgründen geändert

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